Ihr BU-Ratgeber zu
HIV / Aids

  • Tipps und Hilfestellungen von Experten
  • Fachwissen zur Berufsunfähigkeitsversicherung
  •  Antworten auf wichtigte Fragen

Aids und Berufsunfähigkeit

Der positive HIV-Test ist für viele Betroffene ein Schock. Neben der Frage der Ansteckung anderer stehen Therapie und Umgang mit der Krankheit von nun an eine Zeit lang im Vordergrund. Doch auch arbeitsrechtlich ergeben sich neue Fragestellungen. Ist die Krankheit mit dem Beruf vereinbar? Wie wirkt sich Aids auf die Leistung aus?

Therapie und Alltag

Die Diagnose HIV kommt fast immer unerwartet. Zudem haftet dem Virus ein Stigma an, das auch in der Psyche der Betroffenen Spuren hinterlässt. Hier helfen ein Gespräch mit Ärzten und Beratungsstellen und die Wahl einer geeigneten Therapie. Verschiedene Medikamente verhindern das Eindringen der Viren in die Zellen, schränken sie in ihrer Handlungsfähigkeit ein oder unterbinden, dass infizierte Zellen weitere Viren freisetzen. Alle HIV-Therapien zielen darauf ab, dass das Virus am Ende unter der Nachweisgrenze liegt und von dem Erkrankten eine nur noch sehr geringe Ansteckungsgefahr ausgeht.

Die Therapie erfolgt über viele Jahre und in einigen Fällen lebenslang, wenn die Nachweisgrenze nie erreicht wird. Auch wenn dadurch der Ausbruch von Aids, der Destabilisierung des Immunsystems, verhindert wird, können Nebenwirkungen das Leben beeinträchtigen. Ein höheres Herzinfarktrisiko durch einen Anstieg der Blutfettwerte oder Fettumverteilungsstörungen, die das Fettgewebe von Gliedmaßen und Gesicht auf den Bauchraum oder Nacken verteilen, sind einige der Risiken. Im Jahr 2015 nahmen in Deutschland 60.700 Menschen Medikamente ein, die einen Aids-Ausbruch eindämmen. Weltweit hatten rund 53% der Infizierten Zugang zu den Therapien.

HIV-positiv : Muss ich kündigen?

Je nach Fortschritt der Erkrankung bei der Diagnosestellung kann die Schwächung des Immunsystems die Berufstätigkeit einschränken. Während es prinzipiell arbeitsrechtlich möglich ist, weiterzuarbeiten, kann die körperliche Verfassung Erkrankte zum zeitweisen Ausscheiden aus ihrem Beruf zwingen. Das Arbeitsrecht kennt keine Klausel, nach der HIV-positive Arbeitnehmer ihrem Arbeitgeber über ihre Krankheit informieren müssen. Das ist besonders wichtig zu wissen für alle Arbeitnehmer, die in der Gastronomie oder in medizinischen Berufen tätig sind. Das Gesundheitsamt kann den Nachweis der Einhaltung von Hygienevorschriften fordern. Ein aus Unsicherheit selbst gewünschtes Ausscheiden aus dem Beruf ist stets möglich, aber nicht notwendig. Eine gesetzliche Handhabe für ein Verbot besteht lediglich für Chirurgen und Ärzte, die chirurgische Eingriffe durchführen. Sie müssen unter der Nachweisgrenze (konkret: 50 Kopien/ml) liegen, um die Eingriffe durchführen zu dürfen.

Seit 2012 dürfen HIV-positive Menschen ebenfalls EU-weit als Flugbegleiter und Piloten arbeiten, wenn sie das Tauglichkeitszeugnis erhalten. International gelten für einige Länder jedoch Einreisebeschränkungen, die diesen Beruf möglicherweise verhindern. Eine Übersicht findet sich auf http://www.hivrestrictions.org/.

HIV / Aids - Absicherung gegen Berufsunfähigkeit

Schon vor einer möglichen Infektion sollten Risikogruppen sich darüber informieren, wie ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zu HIV steht. Grundsätzlich ist der Schutz für HIV-Positive bei Berufsunfähigkeit dann garantiert, wenn der Beruf zu weniger als 50% ausgeübt werden kann. Ein Gutachter kann den Grad der Arbeitsunfähigkeit feststellen. Häufig sind die Nebenwirkungen der Therapie, aber auch Depressionen aufgrund der psychischen Belastung ein Grund für die Berufsunfähigkeit. Aber auch ein Fortschreiten der Schwächung des Immunsystems kann die Arbeit unmöglich machen oder stark einschränken.

Um sicherzugehen, dass die Berufsunfähigkeitsversicherung im Falle von HIV / Aids zahlt, sollten Versicherte die Infektionsklausel in den Versicherungsvereinbarungen studieren. Eine anonyme Risikoanfrage beimVersicherer über einen Makler oder Berater gibt Aufschluss über die Angebote in der besonderen persönlichen Situation und die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit.

Behinderungsgrad durch Aids

HIV-Infizierte werden durch die Krankheit allein nicht als behindert klassifiziert. Die fortschreitenden Immundefekte rechtfertigen jedoch einen Grad der Behinderung von 10-100%, wobei 10% für die Infektion selbst stehen. Begleitsymptome wie das Lymphadenopathiesyndrom (LAS) machen bis zu 40% aus, stärkere Beeinträchtigungen wie Aids Related Complex (ARC) 50-80%. Eine Schwerbehinderung mit 100% umfasst das Aids-Vollbild mit zahlreichen schweren Beeinträchtigungen.

Durch Aids schwerbehinderte Menschen, die dennoch im Arbeitsleben verhaftet bleiben möchten, profitieren von Sonderregelungen rund um Kündigungsschutz und Bevorzugung. Sie sollten sich dabei jedoch stets an ihrer tatsächlichen Belastbarkeit orientieren und bei zu starker Beeinträchtigung eine Berufsunfähigkeitsrente in Betracht ziehen.

Was ist Aids / HIV?

Definition

Das Human Immundefizit Virus (kurz HIV) ist ein Krankheitserreger, der das Immunsystem seines Wirts aktiv angreift und zersetzt. Das Virus löst die Krankheit Aids aus, das „Acquired Immune Deficiency Syndrom“, also eine erworbene Abwehrschwäche. Zwischen der Übertragung und dem Ausbruch von Aids können viele Jahre liegen. In der Zwischenzeit überträgt sich das Virus auf verschiedenen Wegen.

Übertragung
Behandlung