Berufsunfähigkeitsversicherung: Wird die private Vorsorge reformiert?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als eine der wichtigsten Vorsorgeformen für Berufstätige. Kein Wunder: Im Falle eine Berufsunfähigkeit gibt es vom Staat seit einigen Jahren kaum noch ausreichend finanzielle Unterstützung. Aktuell wird die private Vorsorge dennoch kritisiert. Was sind die Hintergründe?

Was leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die private Berufsunfähigkeitsversicherung gilt vielen Experten als einziger effektiver finanzieller Schutz vor Berufsunfähigkeit. Andere Versicherungspolicen, wie eine Unfallversicherung, können nur einen teilweisen Schutz bieten. So liegt beispielsweise nur etwa jedem zehnten Fall von Berufsunfähigkeit ein Unfall zugrunde. Die Unfallversicherung zahlt allerdings nur bei einer Invalidität durch einen Unfall. Entsteht eine Berufsunfähigkeitsversicherung durch eine Krankheit oder psychische Probleme, steht der Versicherungsnehmer selbst mit einer sehr guten Unfallpolice mit leeren Händen da. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt hingegen unabhängig von der Ursache.

Was wird kritisiert?

Nun wird die private Vorsorge jedoch kritisiert. Aktuell fordert etwa der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick, in der Welt am Sonntag „gesetzliche Standards für die Berufsunfähigkeitsversicherung“. Nur so seien „den juristischen Scharmützeln der Versicherer ein Ende“ zu setzen. Schick kritisiert dabei, dass die Versicherer auf intransparente Klauseln in den Versicherungsverträgen zurückgreifen, um im Leistungsfall die Zahlung der vereinbarten Rente an den Versicherten zu vermeiden.

Lassen sich Leistungen realistisch messen?

Dabei wird die Leistungsbereitschaft der verschiedenen Anbieter gerne an der Leistungsquote gemessen. Dass diese aber durchaus keinen zuverlässigen Eindruck von der Zahlungsbereitschaft des Versicherers gibt, wird klar, wenn die Leistungsquote beispielsweise bei Untersuchungen von Instituten wie Morgen und Morgen zwischen 27,7 und 92,3 Prozent liegen. Das bedeutet keineswegs, dass in diesen beiden Fällen besonders selten oder besonders oft bei Berufsunfähigkeit geleistet wird. Denn ein sehr junger Versicherer wird beispielsweise häufiger Fälle haben, in denen er aufgrund einer vorvertraglichen Anzeigepflichtverletzung einen Antrag ablehnt, während ein etablierter Versicherer vielleicht auch Leistungspakete bietet, die schon eine Zahlung bei Arbeitsunfähigkeit bietet. Auf diesen Gründen ist es für Verbraucher nur schwer möglich, einzuschätzen, wie gut ein Versicherer leistet.

Auch staatliches System muss geändert werden

In der aktuellen Debatte werden zudem nicht nur die Verträge von privaten Anbietern kritisiert. Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wendet zudem ein, dass auch die staatliche Unterstützung vielfach nicht ausreichend ist. Viele Selbständige sind gar nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert und hätten damit im Falle der Berufsunfähigkeit auch keinen Anspruch auf staatliche Leistungen. Grieble nennt die Schweiz als Beispiel vor, in der die Absicherung weitaus umfassender ist. Die dortige Bürgerversicherung umfasst alle Menschen, die in der Schweiz leben und arbeiten. Da mehr Menschen in die Versicherung einzahlen, sind auch bessere Leistungen für Betroffene von Invalidität und Berufsunfähigkeit möglich.
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