Berufsunfähigkeitsversicherung: Kaum noch Durchblick bei den Berufsgruppen

Die Anbieter von Berufsunfähigkeitsversicherungen unterscheiden immer mehr verschiedene Berufsrisikogruppen. Selbst Versicherungsexperten fällt es dadurch zunehmend schwer, einen Durchblick zu erhalten. Für Versicherungsnehmer bedeutet die starke Differenzierung, dass einzelne Berufe besonders teuer werden. Könnten Unijob-Tarife Abhilfe verschaffen?

Beruf bestimmt Beitragshöhe bei Berufsunfähigkeitsversicherung entscheidend mit

Die Beiträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung setzen sich aus sehr vielen verschiedenen Faktoren zusammen. So zahlen ältere Versicherungsnehmer höhere Beiträge als junge Menschen. Vorerkrankungen können hingegen zu hohen Risikozuschlägen führen. Sehr stark auf die Beitragshöhe wirkt sich zudem der ausgeübte Beruf aus. Denn wer in einem körperlich oder psychisch anstrengenden Beruf arbeiten, im Job regelmäßig Giftstoffen ausgesetzt ist oder ein hohes Unfallrisiko bei der Arbeit in Kauf nimmt, muss mit hohen Prämien rechnen. So erhält ein 30-jähriger, gesunder Apotheker beispielsweise etwa ab 40 Euro eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Ein Dachdecker im gleichen Alter muss bereits mit einer Beitragshöhe von 180 Euro rechnen – auch wenn er bisher keine Vorerkrankungen aufweist und Nichtraucher ist.

Nicht nur die Prämie entscheidet

Auf was sollten Verbraucher beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung noch achten? Die wichtigsten Begriffe werden auf berufsunfaehigkeitsversicherungen.de schnell und einfach erklärt.

Mehr Risikogruppen – Höhere Beiträge

Während noch vor einiger Zeit bei der Beitragsberechnung die verschiedenen Berufe in vier bis fünf Risikogruppen eingeteilt wurden, unterscheiden die Versicherer mittlerweile immer mehr zwischen den Tätigkeitsbereichen. So wird inzwischen auch verstärkt darauf geachtet, ob ein Handwerker auch Bürotätigkeiten verübt, beispielsweise wenn es darum geht, Kundenaufträge zu verwalten. Auch die Berufe werden in teilweise bis zu 20 Kategorien unterteilt. Vor allem Menschen in klassischen Risikoberufen werden dadurch benachteiligt. Denn während Beschäftigte in risikoarmen Berufen beliebt bei den Versicherern sind und ihnen durch die stärkere Aufteilung günstigere Angebote gemacht werden können, zahlen Risikoberufe immer mehr drauf.

Unijob: Tarife für alle Berufsgruppen

Im Versicherungsboten schlägt der Versicherungsmakler Gerd Kemnitz angesichts dieser Entwicklung vor, die Berufsgruppendifferenzierung wieder rückgängig zu machen. Auch die Politik sei hier gefordert. In der Vergangenheit wurde bereits bei der Geschlechterunterscheidung eingegriffen. So hat der Gesetzgeber die Einführung von Unisex-Tarifen für alle neuen Versicherungsverträge seit Ende 2012 durchgesetzt. Seit dem dürfen sich die Prämien für Männer und Frauen bei sonst gleichen Voraussetzungen nicht mehr unterscheiden. Auch bei den Berufsgruppen sei eine solche Lösung denkbar. Die Prämien würden sich dabei am Markt selbst regeln – risikoarme Berufe würden dann Berufstätige in gefährlichen Berufen mit tragen. Vom Gesetzgeber gibt es dahingehend allerdings bisher keinerlei Pläne. Unijob-Tarife bleiben also vorerst Zukunftsmusik.